Den närrischen Olymp erklommen

Markus I. (Feickert), Bauer Alwin (Brück) und Jungfrau Uwéla (Fischer) wurden zum Brühler Dreigestirn proklamiert

Brühl (huz). Die Schlossstadt hat einen Prinzen aus der Pfalz: Unter den Augen der rheinhessischen Weinprinzessin Veronika Wügner eroberte Markus I. (Feickert) gemeinsam mit Bauer Alwin (Brück) und Jungfrau Uwéla (Fischer) die Herzen der Brühler im Sturm. Bürgermeister Dieter Freytag proklamierte die drei aus den Reihen der KG Brühl-West in Reimform vor rund 700 begeisterten Gästen, die nicht nur eine erfreulich kurzweilige Amtseinführung, sondern auch mit Guido Cantz, Bernd Stelter, Blom un Blömcher, Klaus und Willi und vielen anderen bekannten Kräften ein Spitzenprogramm erlebten.
Mit einem erfrischenden Auftritt der Brühler Jugendtanzcorps aus verschiedenen Gesellschaften begann die bunte Veranstaltung, die wiederum vom "Doppelpack" Dr. Andreas Bröhl und Wolfgang Vaupel moderiert wurde. Der Tenor Norbert Conrads sorgte mit bekannten Ostermann-Liedern für so manches stille Tränchen in den Augen der Zuhörer und bereitete den Boden für den triumphalen Einzug der neuen Tollitäten mit einer Hundertschaft der Fidele Bröhler/Falkenjäger.
Bevor sie den lange ersehnten närrischen Olymp endgültig erklommen, lobte Freytag "Seine Deftigkeit" Bauer Alwin lächelnd als "Mann wie ein Baum", teilte mit, dass für den früheren pfälzischen Kirmesredner Markus Feickert jetzt mehr Kölsch statt Wein fließe und rief den dreien zu: "Westler, loß jonn!".
Mit Bravour und einer schwungvollen Antrittsrede begeisterte Prinz Markus I., der zum Abschluss gesanglich bekannte: "Isch ben en Pälzer Bub, was willschte mache, benn och ne Bröhler Jong, un dunn jähn laache. Ich benn och sons nit schlääch, nä ich bin brav, mie Lieblingswöödche heiß Bröhl Alaaf!".
Neben Prinzenführer Karl-Heinz Becker gehört der Dreigestirnsmannschaft die Adjutanten Dieter Josefus, Fabian Brück und Erwin Nowaczyk und die Fahrer Günther Keith, Gerd Klütsch und Michael Schmitz sowie Terminoffizier Franz Müller an.

 

Die Tollitäten hautnah vorgestellt

Geboren wurde Prinz Markus am 2. Juli 1966 in Rockenhausen/Pfalz. Gemeinsam mit meiner jüngeren Schwester Andrea wohnte er in Nußbach im wunderschönen Nordpfälzer Bergland und erfreute sich einer liebevollen Kindheit bei meinen Eltern. Nach Schule und Ausbildung zum Elektroinstallateur besuchte er in Kaiserslautern die Fachoberschule für Elektrotechnik und beendete sie mit dem Fachabitur. 1991 legte er erfolgreich die Meisterprüfung im Elektroinstallations-Handwerk ab. 1993 begann er mit 27 Jahren als Technischer Betriebsinspektor in der damals noch nicht ganz fertig gestellten Bundesfinanzakademie in Brühl seinen Dienst beim Bundesfinanzministerium. Dort ist er bis heute tätig. 1999 lernte er seine heutige Frau Uschi Löhberg kennen, die er 2009 heiratete. Schon als Kind interessierte ihn das Wetter, daher machte er über Jahre eine Wetteraufzeichnung. "In der Familie bin ich nach wie vor als Wetterfrosch gefragt", sagte Feickert. Und weiter: "Musikalisch hatte ich schon früh Gefallen an der Volksmusik, hier speziell an Ernst Mosch mit seinen Original Egerländer Musikanten. Durch mein Klavierspiel war ich auch in der Lage, für mehr als ein Jahr in Ermangelung eines Kantors ersatzweise die Kirchenorgel in meinem Heimatdorf Nußbach bei Gottesdiensten zu spielen. Naturverbunden bin ich seit jeher. Bei Spaziergängen und Urlauben in deutschen Mittelgebirgen erhole ich mich sehr gut von Beruf und meinem ausgeprägtesten aller Hobbies, nämlich dem rheinischen Karneval. Den Grundstock für meine jecke Laufbahn legte ich bereits mit 16 Jahren 1982 als Büttenredner in Nußbach in der "Prunksitzung" und viele Jahre lang als "Kerweredner" (Kirmesredner) in meinem Heimatort bis zu meinem Umzug 1993 nach Brühl.
Und hier in Brühl stellte sich die Frage: Wohin ging ein Junggeselle wie ich in seiner Freizeit? Natürlich in die Stadt ein Bier trinken! Und hier lag auf dem Weg dorthin die Gaststätte Kreisch. Da zog es mich hinein, und ich traf auf die Mitglieder der KG Brühl-West von 1972, die mich gleich für sich vereinnahmten. Ich half beim Wagenbau und bekam sogar eine Karte für die sehr begehrte Herrensitzung geschenkt; hier hatte ich eine besondere Begegnung mit meinem ersten eigenen Pittermännchen! Meinen Antrag auf Aufnahme in die KG schrieb ich in Ermangelung eines Formulars Anfang 1994 auf einen Bierdeckel, und so ging es auch offiziell los mit meinen karnevalistischen Aktivitäten im Bröhlsche Fasteleer. 2003 wählte mich die Versammlung zum stellvertretenden Schatzmeister, 2006 wurde ich Vizepräsident der Westler und seit Mai 2012 bin ich Präsident der Gesellschaft. Seit 2014 bin ich auch Mitglied der Kanarischen Geißböcke - und so bin ich als langjähriger Fan vom 1. FC Kaiserslautern nun auch Fan vom 1. FC Köln."


Bauer Alwin wurde am 16.4.1962 als erstes Kind seiner Eltern Eva und Helmut Brück in Brühl geboren. Von 1969 bis 1978 besuchte er die Grund- und Hauptschule Clemens-August in Brühl. Es folgte eine Ausbildung zum Maler und Lackierer bei der Firma Röttgen in 3. Generation. In der Gaststätte Nebenan lernte er 2007 seine jetzige Lebensgefährtin Isabella Floßbach kennen. Durch deren Sohn Oliver wurde er zum zweifachen "Stiefopa".
Er erzählte: "Alle drei Wochen gehe ich kegeln und jeden zweiten Donnerstag bin ich beim Darten in der Gaststätte Nebenan zu finden. In jüngeren Jahren bin ich gerne Ski gefahren. Ich bin Fan vom 1. FC Köln und von den Kölner Haien. Gerne fahre ich Rad und erhole mich auch beim Wandern. Der rheinische Karneval hat mich schon seit meiner Jugend fest im Griff. 1980 trat ich bei den Gabjeitirolern ein, dort bin ich auch heute noch Mitglied. Jedes Jahr zum Närrischen Elias in einem neuen tollen Phantasiekostüm durch die Brühler Innenstadt und am Karnevalsdienstag mit im Kinderzug in Brühl-West durch die Straßen zu ziehen, ist für mich ein tolles Erlebnis, das ich nicht missen möchte." Von 1994 bis 2008 war Brück aktives Mitglied in der KG Nebenan. Am 1. Mai 2014 ist er der KG Brühl-West aktiv beigetreten.


Bei Jungfrau Uwéla zieht sich der Karneval wie ein roter Faden durch ihr (sein) Leben. 1966 erblickte er in Hürth das Licht der Welt. 1992 zog es ihn nach Brühl, wo er im Karneval in Badorf seine Frau Marion kennenlernte, die er 1994 heiratete - als 111. Trauung im Brühler Standesamt. 1997 wurde Sohn Niclas geboren - am Karnevalssonntag während des Närrischen Elias. Fischer: "Mir wurde der Karneval mit in die Wiege gelegt! Im Kinderwagen schob mich meine Mutter durch die ersten Karnevalszüge in Köttingen. Als Sechsjähriger ging ich meinen ersten Rosenmontagszug in Köttingen mit der Prinzengarde "Rote Rose" mit. Auf der Schulter ein Holzgewehr, das ich auch voller Stolz vor jedem, der es mir abnehmen wollte, verteidigte. Zu meinem achten Geburtstag bekam ich dann eine Trommel, die ich bis zum 16. Lebensjahr spielte. Dann zog es mich zu der Turnriege Anno 1900 - eine reine Herrengarde, die mit Akrobatik und Klamauk jahrelang in und weit über Köln hinaus bekannt und beliebt war. Einige Jahre später löste sich diese Gruppe leider auf und ich legte eine kurze karnevalistische Pause ein. Ävver nit lang!!! Meine Frau - selber eine begeisterte Karnevalistin - sorgte dafür, dass ich endgültig mein Herz an den Brühler Karneval verlor und ich trat für einige Jahre dem Elferrat der Treuen Husaren bei. 2005 wurde ich der persönliche Chauffeur von Prinz Michael I." Sein Beruf als Reisebusfahrer zwang ihn zu einer längeren karnevalistischen Pause. Nach einem ersten inaktiven Jahr ist er dann den Westlern beigetreten. Neben seiner Liebe zum Karneval und zu seiner Familie schlägt sein Herz auch für den 1. FC Köln.


Die Proklamationsrede von Prinz Markus I.:

Fastelovend zosamme!
Et es jeschaff! Mir drei sinn proklameert!
Ab sofort widd nur noch närrisch rejiert! 

Für uns Drei war es ein kurzer, steiler Anstieg von Karnevalsdienstag letzten Jahres bis heute auf diese wunderschön geschmückte Bühne hier oben im Tanzsportzentrum. Endlich haben wir den närrischen Olymp erklommen und Schwupp, sind wir auch schon proklamiert!
Verehrter Herr Bürgermeister, lieber Dieter, Du hast uns in passgenauen Worten den Jecken hier im Saal vorgestellt und uns zum neuen Trifolium proklamiert. Hierfür sagen wir Drei herzlichen Dank.
Aber wie hatte alles so begonnen, ich umschreibe es mal so:
"Aus der Not geboren, zum Jubiläum geschenkt, von uns mit Freude gefüllt!".
Denn ich wurde erst Karnevalsdienstag letzten Jahres davon überzeugt, mich als Prinz für die Session 2016 zu melden und mir einen Bauern und eine Jungfrau zu suchen. Nach 3 Wochen intensiver Suche und Gesprächen haben wir Drei dann ja gesagt und so stehen wir heute hier in vollem Ornat dank unserer Gesellschaft, der KG Brühl-West von 1972 e.V., die in diesem Jahr ihr 44-jähriges Jubiläum feiert.
Ein herzlicher Dank gilt dem Vorstand der KG West und im Besonderen dem Ehrenpräsidenten Wolfgang Fritz, der dafür gesorgt hat, dass Brühl auch 2016 ein Dreigestirn hat. Unser Dank geht auch an den Festausschuss Brühler Karneval mit ihrem Präsidenten Wilfried Hägele, der unsere Bewerbung angenommen hat und unserem Bürgermeister Dieter Freytag, der uns schon im Frühjahr empfangen und akzeptiert hat.
Ein ebenfalls herzlicher Dank geht an alle kleinen und großen Sponsoren, an alle, die uns bisher in vielen Dingen unterstützt haben. Ob Stadtwerke Brühl, Deutsche Renault, die Brühler Banken, der Festausschuss Brühler Karneval, einige Privatpersonen und und und, alle haben zum Gelingen beigetragen, wir sagen ein herzliches Vergelts Gott.
Und was wären wir drei ohne unsere Begleitmannschaft. Uns zur Seite steht unser allseits geliebter Brühler Prinzenführer Karl-Heinz Becker. Schon zum 26. Mal geleitet er die Tollitäten souverän durch die Session. Unser Team setzt sich zusammen aus unseren Adjutanten Dieter Josefus, Fabian Brück und Erwin Nowaczyk, unseren Fahrern Günter Keith, Gerd Klütsch und Michael Schmitz sowie dem Standartenträger Tobias Müller. Die Junge sinn einfach spitze!
Und vor uns im Saal sitzen unsere Frauen: Uschi Löhberg, Isabella Floßbach und Marion Fischer, ihr habt uns unermüdlich unterstützt. Habt Dank und haltet durch, wir brauchen Euch noch, denn ab heute läuft die Session auf Hochtouren!
Wir, das Brühler Dreigestirn der Session 2016 wünschen uns ein fröhliches und herzliches Miteinander in Sälen, Kneipen und op d'r Strooß. Mit allen Bürgern der Stadt, ob alteingesessen, zugezogen oder durch widrige Umstände in Brühl gestrandet, ob Deutsch oder nicht Deutsch, ob arm oder reich, ob jung oder alt, lasst uns den Brühler Karneval gemeinsam feiern, darauf freuen wir uns.
Für alle wollen wir da sein, damit wir durch den Karneval noch näher zusammenrücken und ganz viel Spaß gemeinsam haben werden. Dafür stehen wir Drei mit unserem Motto: "Jetz weed met Hätz em Bröhlsche Karneval jefetz!".



Letzte Änderung: Freitag, 08.01.2016 10:40 Uhr

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