von Ulf-Stefan Dahmen
Kerpen. Den Parteitagsstrategen war klar, dass es für den
Kandidaten der Rhein-Erft-CDU Gregor Golland eng werden würde.
Nachdem die Kreisverbände Bonn und Rhein-Sieg mit dem
Europaabgeordneten Axel Voss einen eigenen Kandidaten für das
Amt des Vorsitzenden im Bezirk Mittelrhein vorgeschlagen hatte
standen die Zeichen für den Kreisvorsitzenden Golland
plötzlich gar nicht mehr gut. Dessen "Hausmacht"
unter den insgesamt 94 Delegierten bezifferte ein Kenner auf 30
Stimmen, Voss brächte 38 Stimmen mit, hieß es am
Freitagabend im Kerpener Michael-Schumacher-Center. Am Ende war das
Ergebnis deutlich: 60 Stimmen für Voss, 31 für Golland -
Enthaltungen fallen bei der Parteitagsarithmetik unter den Tisch.
Als der scheidende Bezirksvorsitzende Norbert Röttgen das
Ergebnis bekannt gab, konnte Golland seine Enttäuschung nur
schwerlich verbegen. Das Lächeln wirkte erkennbar aufgesetzt;
aber er muss es geahnt haben. Denn noch kurz vor Beginn des
Parteitages sah man Golland und einen seiner Vertrauten bei
nervösen Telefonaten. "Da werden fehlende
Delegiertenstimmen zusammen telefoniert", kommentierte ein
Parteimitglied die Szenerie.
Gregor Golland ist mit seinen knapp 37 Jahren noch jung; und auch
Norbert Röttgen war vor zwölf Jahren in ähnlicher
Situation einmal unterlegen. Inzwischen ist Röttgen immerhin
zum Bundesumweltminister aufgestiegen und hat den Landesvorsitz der
CDU in NRW übernommen. Gregor Gollands Parteikarriere muss
also mit dieser Wahlniederlage nicht zwingend beendet sein.
Und dennoch hat die Entscheidung von Freitagabend eine gewisse
Signalwirkung: Der Einfluss der Rhein-Erft-CDU ist nicht nur im
Bezirk Mittelrhein, sondern auch auf Landesebene in der
jüngsten Vergangenheit deutlich geringer geworden. Noch vor 24
Monaten war der Rhein-Erft-Kreis das "Machtzentrum" der
Landes-CDU: Der Pulheimer Dr. Jürgen Rüttgers war
Ministerpräsident und Landesvorsitzender in Personalunion, der
Erftstädter Michael Breuer war als Kreisvorsitzender zugleich
Europaminister und Bezirksvorsitzender, die Christdemokraten hatten
alle drei Landtagsmandate im Kreis direkt gewonnen und in Frechen
eine neue Parteizentrale - auch für den Bezirk - gebaut.
"Unser Einfluss ist damit deutlich geringer geworden",
sagte der Hürther CDU-Bundestagsabgeordnete Willi Zylajew nach
der Entscheidung. Das wird sich insbesondere bei der Vergabe
aussichtsreicher Listenplätze für die nächste
Landtagswahl auswirken.



