Gänsehaut und Schmerz

von Ulf-Stefan Dahmen

Hürth-Gleuel. Arthur Tabat, seit 40 Jahren mit Leib und Seele Organisator des Profi-Radrennens 'Rund um Köln', hat sich das Fantrikot übergestreift: Omega-Pharma-Lotto ist in großren Lettern zu lesen. Es ist das Trikot des Rennstalls, in dessen Diensten André Greipel und Marcel Sieberg drei Wochen lang die Tour de France bestritten haben.

Die "Tour der Leiden", wie das berühmteste Radrennen aller Zeiten auch respektvoll genannt wird, ist am vergangenen Sonntag unter dem Triumphbogen in Paris zu Ende gegangen. Jetzt hat sich die komplette Fangemeinde auf dem Hof des Hotels Scheuer im Gleueler Gewerbegebiet versammelt, um ihre beiden Tourhelden zu feiern. Immerhin: Sprinter Greipel hat eine Etappe gewonnen, Marcel Sieberg hatte den Sprint für seinen Kumpel angefahren. Ein Etappen-Sieg bei der Tour. Das haben nicht viele Radprofis in ihrer Erfolgsliste stehen. "Ich habe mich noch so über einen Erfolg gefreut", gesteht André Greipel. Ansonsten bleiben für die beiden zwei Erinnerungen an die vergangenen drei Wochen: "Gänsehaut und Schmerzen!" An diesem Dienstagabend wird einmal mehr deutlich, dass Gleuel eine echte Hochburg des Radrennsportes ist. Hier hat der RC Schmitter seine Heimat, mehr als 100 Fans sind zum Empfang gekommen. Darunter die Exprofis Ralf Grabsch, der mit seiner Familie in Hürth wohnt, und der Königsdorfer Marcel Wüst, selbst einmal Etappensieger bei der Tour. Viele Radhelden "vergangener Tage" sind gekommen - Seniorenweltmeister Heinrich Hövel zum Beispiel; auch er ist Mitglied des RC Schmitter. Und mittendrin: Martin Scheuer. Inzwischen jenseits der 70 sitzt er immer noch täglich auf dem Rennrad - mehr als 6.000 Kilometer hat er in diesem Jahr schon in den Beinen. Vor allen Dingen aber kümmert er sich seit vielen Jahren um die jungen Profis. Holt sie nach Gleuel, wo er sie beinahe väterlich betreut. Und wenn "seine Jungs" dann bei der Tour leiden, dann leidet Martin Scheuer mit. Meist zuhause vor dem Fernseher. Oft ist er aber auch live vor Ort dabei. Und: Die meisten Etappenankünfte kennt Scheuer aus eigener Anschauung. Auch die hoch oben in den Alpen und Pyrenäen. Im kommenden Jahr wollen André Greipel und Marcel Sieberg wieder bei der Tour am Start stehen. Und dem ersten Etappensieg weitere folgen lassen. Diesmal war der Brite Marc Cavendish - im vergangenen Jahr bei HTC noch Mannschaftskollege der beiden Hürther - bei den Sprints noch schneller als Greipel. Vielleicht, weil er die besseren "Anfahrer" für die Sprints vor sich hatte. Das kann im nächsten Jahr schon ganz anders aussehen.

Letzte Änderung: Montag, 01.08.2011 11:40 Uhr