Brühl. Die amerikanische Künstlerin Dorothea Tanning
ist in New York 100 Jahre alt geworden.
Sie war mit Max Ernst von 1946 an drei Jahrzehnte lang verheiratet
war und lehnt Geburtstagsfeierlichkeiten strikt ab. Trotzdem zeigt
das Max Ernst Museum bis zum 30. Januar 2011 die Ausstellung
"zwischen dem inneren Auge und der anderen Seite der
Tür" (Dorothea Tanning zum 100. Geburtstag - Grafiken).
Mit zwei grafischen Suiten und ausgewählten
Einzelblättern aus Beständen des Brühler Museums
wirft die Geburtstags-Hommage einen konzentrierten Blick auf das
druckgrafische Werk der Künstlerin. Die Folge "Les 7
périls spectraux" (Die sieben gespenstischen Gefahren),
die sieben Lithographien umfasst und 1950 in Paris entstand,
versammelt die frühen Motive und Themen des Werkes: Im ersten
Blatt ist eine Tür gleichzeitig der Einband eines Buches, in
einer weiteren Lithografie fungiert eine Sonnenblume als Teller;
das Auge mit mehreren Pupillen ist ebenso zu finden wie die
halluzinatorische Metamorphose von Gegenständen, die ein
Schlüsselloch zum Haarschopf oder zum Quast verwandelt.
Zwei Jahrzehnte später veröffentlichte Tanning die
grafische Suite "La marée" (Ebbe und Flut) mit acht
Blättern. Der Technik des Steindrucks wird mit dieser Folge
von 1970 die mit Weichgrund kombinierte Radierung gegenüber
gestellt. Aus den filigranen Strukturen und changierenden Farben
tauchen menschliche Körper auf, deren Konturlinien nun
offener, befreiter sind. Während die beiden Suiten in
Frankreich gedruckt wurden, entstand die großformatige
Lithographie "I" (Ich) 1986 in den Vereinigten Staaten.
In dieser Selbstdarstellung sind die Hände hinter dem Kopf
verschränkt und bilden so ein Auge. Der Bildtitel
"I" wird so sprachspielerisch zum "Eye" (Auge).
Das frühe Selbstporträt "Birthday" (Geburtstag)
von 1942, das Dorothea Tanning bei dem Lithographen Mourlot in
einer kleinen Auflage drucken ließ, rundet die
Präsentation ab und lässt ein halbes Jahrhundert ihrer
Kunst Revue passieren, die nach ihren eigenen Worten "zwischen
dem inneren Auge und der anderen Seite der Tür"
angesiedelt ist.
Dorothea Tanning zum 100. Geburtstag
Ausstellung im Max Ernst Museum Brühl
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